10. April 2017 Max

Straßen, Wege, Plätze und Bahnübergänge – Bau einer Modellbahnanlage, Teil V

Zu jeder größeren Stadt gehört auch ein Marktplatz. Hier sogar mit Straßenbahn.

Nachdem in den bisherigen Teilen die Unterkonstruktion gebaut, die Gleise verlegt und die Landschaft gestaltet wurde, wird es nun Zeit, sich einem weiteren wichtigen Aspekt von Modellbahnanlagen zu widmen: Eine Modellbau Straße ein Weg und teilweise auch Plätze dürfen auf keiner Anlage fehlen, sind sie doch in der realen Welt für die Logistik noch viel wichtiger als Schienen. Bei einer Gebirgsbahn lassen ein paar Wanderpfade die Landschaft gleich viel authentischer wirken und beinhaltet die Anlage eine Stadt, braucht diese auch Gehwege und Marktplätze. Unser Thema muss also der Modellbahn Straßenbau sein und im fünften Teil dieser Serie soll es daher um die realistische Gestaltung von Straßen gehen und um das Zusammentreffen von Schienen und Straßen, den Bahnübergang.

Modellbahn Straßenbau auf dem Land

Unterbau

Bereits in der Planungsphase sollte nicht nur ein Gleisplan erstellt, sondern auch schon der Verlauf von Straßen geplant werden. Das macht die Umsetzung später viel einfacher, denn größere Straßen müssen genauso wie die Bahntrassen schon in der Unterkonstruktion berücksichtigt werden. Der grobe Straßenverlauf wird hier ebenfalls durch ca 4 mm dicke Sperrholzzuschnitte abgebildet.

Die Breite einer Straße hängt von ihrem Typ ab: Kleine Landstraßen sind im Original ca. 5,5 m breit, Bundesstraßen dagegen 6,5 m und bei Autobahnen hängt es von der Anzahl der Spuren ab. Für H0 ergeben sich hier Breiten von 63 mm bzw. 75 mm. Außerdem haben praktisch alle Straßen zum Rand hin ein Gefälle, damit das Wasser abfließen kann, was im Modell idealerweise auch berücksichtigt werden sollte. Bei engen Kurven kann man darüber hinaus die Außenseite der Straße überhöhen.

Als Unterbau für die Modellbahn Straße nimmt man Balsabrettchen.

Anzeige: Balsabrettchen sind nicht ganz leicht zu verarbeiten, für die Straßenoberfläche aber ideal.

Neben den Sperrholzplatten ist für den Unterbau noch eine 1 mm hohe Holzleiste und 1-2 mm starke Balsabrettchen notwendig, die unter Umständen noch auf die richtige Breite zugeschnitten werden müssen. Die Holzleiste wird auf den Sperrholzunterbau mittig aufgeklebt und das Balsabrett darüber geklebt, wodurch die gewünschte leichte Wölbung entsteht. Das funktioniert bestens bei geraden und sanft geschwungenen Strecken, für enge Kurven muss man dann auf die gleiche Art eine überhöhte Außenkante der Straße konstruieren. Egal wie man die Straßenoberfläche gestalten möchte, es ist nun wichtig, die Balsabrettchen wasserfest zu lackieren, da diese sehr anfällig für Feuchtigkeit sind. Der Farbton ist dabei eigentlich egal, denn der Belag kommt ja erst noch.

Modellbau Straße: Oberfläche

Modellbahn Straßenbau mit Straßenkrepp.

Anzeige: Das Straßenbauset von Busch enthält selbstklebenden Straßenkrepp.

Für die Gestaltung der Oberfläche von Straßen gibt es mehrere Möglichkeiten. Sehr einfach zu verwenden ist der Straßenkrepp von Noch und Busch, der selbst klebt und auch bereits mit Markierungen ausgestattet ist. Allerdings ist man damit auf die vorgegebenen Maße beschränkt und hat in Kurven teilweise Probleme, auch wenn es vorgeformte Kurvenbauteile gibt. Eine Alternative ist das eigenhändige „Teeren“ der Straßen mit einem speziellen Granulat, was aber deutlich mehr Aufwand bedeutet. Die beiden Varianten sollte man am Besten selbst testen, nur so findet man heraus, was einem besser liegt. Das einfachere Krep ist aber deutlich weiter verbreitet.

Modellbahn Straßenbau mit Granulat.

Anzeige: Im Straßenbauset von Noch ist ein Granulat zum „Selbstteeren“ enthalten.

Nicht vergessen sollte man auch die Modellierung des Übergangs von Straße zu Umgebung. Hier findet man beispielsweise Entwässerungsgräben, falls sich die Straße auf oder unterhalb des Geländeniveaus befindet. Ist die Straße höher als die Umgebung, kann man den Übergang mit einem Streumaterial aus Erde, Sand und Schotter modellieren und dezent begrünen.

Vegetation am Straßenrand

Fährt man auf deutschen Straßen, erblickt man am Straßenrand fast immer jede Menge Büsche und Bäume. Die Mittelstreifen von Autobahnen sind meistens begrünt, Straßen führen teilweise durch Wälder und bei schmalen Landstraßen ragen oft sogar Bäume über die Fahrbahn. Ohne diese Vegetation wäre die Gestaltung von Straßen auf der Modellbahnanlage zugegebenermaßen ziemlich langweilig, aber so kann man Landstraßen mit allerhand Sträuchern komplementieren. Für ein realistisches Bild ist es aber wichtig, diese zu unregelmäßigen Gruppierungen zusammenzustellen, willkürlich angelegte Alleen sind aber natürlich ebenfalls möglich. Die Pflanzen wachsen allerdings meist nicht direkt auf der Straßenböschung, da sie dort schlechteren Halt finden.

Modellbau von Feldwegen

In ländlichen Gegenden und im Gebirge kommt man kaum ohne Feldwege aus. Dabei handelt es sich um unbefestigte Wege, es ist also auch im Modell kein gesonderter Unterbau notwendig. Feldwege kann man im Zuge der Begrünung der Anlage bauen, am Besten noch bevor mit dem Begrasen begonnen wird. Welches Streumaterial man hier verwendet, hängt von der Art des Feldweges ab. Es gibt Schotterwege, aber auch solche bei denen nur die Erde durchscheint. Bei letzteren reicht selbst hergestelltes Streugut aus getrockneter Erde, für den Schotter kann man eigens Material kaufen oder auch mit Gleisschotter experimentieren.

Modellbah Straße, Modellbau Feldweg mit Busch Modellbau

Anzeige: Mit dem Feldweg-Set von Busch fällt die Konstruktion von Feldwegen viel leichter.

Eine schöne Wirkung erreicht man, wenn man die Fahrspuren des Wegs vertieft anlegt. Das ist durch das Anbringen von Graspolstern am Rand möglich, die man als Matte erwerben und dann selbst ausschneiden kann. Ein zusätzlicher Streifen in der Mitte trennt dann die beiden Reifenspuren. Ist der Weg nicht für Fahrzeuge sondern Wanderer gedacht, braucht man natürlich nur eine Spur. Außerdem sollte der Feldweg nicht absolut gerade angelegt sein, denn das ist in der Realität ja auch meistens nicht so. Eine schöne Ausschmückung für jeden Feldweg ist ein Zaun daneben. Eine zusätzliche Hilfestellung für die Gestaltung von Feldwegen kann folgendes Video geben:

 

Modellbau Straßen in der Stadt

 

Straßenbahn, Modellbau Straße, Modellbau Straßen

Straßenbahnen können die Krönung einer Modellbau Straße sein.

Kopfsteinpflaster für den Modellbahn Straßenbau

Anzeige: Kopfsteinpflaster war in vergangenen Epochen eine verbreitete Straßenoberfläche. Hier die Folie von Faller.

Während Landstraßen und teilweise auch Feldwege primär für Fahrzeuge konstruiert sind, ist das bei Straßen in Städten anders. Hier fahren zwar auch Autos, aber die Straßen sollen hier auch Verkehrswege für Fußgänger sein. Hier kommt der Gehweg ins Spiel, der durch einen Bordstein vom Asphalt getrennt ist und meist auf beiden Straßenseiten verläuft.

Gehwege

Bei der Planung gelten zunächst die gleichen Vorgaben wie bei normalen Straßen, allerdings muss man auch Platz für einen Gehweg einrechnen. Für eine Straße in normaler Breite mit vorbildgerecht breiten Gehwegen sollte man mindestens 20 cm Breite einplanen; Soll noch eine Straßenbahn fahren, weitere 5 cm. Es muss genug Platz für Laternenmasten und je nach Geschmack auch Bäume am Straßenrand sein. Aber eine typische Stadt enthält nicht nur derart breite Straßen, sondern auch schmale verwinkelte Gassen – hier hat man viele Möglichkeiten.

LED-betriebene Modellbau Straße Straßenlaterne

Anzeige: Straßenlaternen sind schöne und wichtige Elemente von Gehwegen.

Die genaue Gestaltung von Stadtstraßen hängt stark von der Epoche ab. Spielt die Szenerie in Epoche III, wird man sehr stark Kopfsteinpflaster arbeiten. Dafür gibt es selbstklebende Folie, die sich einzeln zuschneiden und analog zum Straßenkrep verwenden lässt. In Epoche V trifft man Kopfsteinpflaster dagegen nur noch selten an. Dafür gibt es hier oft noch zusätzliche Radwege und auch die innerstädtischen Straßen sind stärker begrünt. Auch die Laternenmasten unterscheiden sich je nach Epoche. Dabei ist es vertretbar, ältere Masten bei Epoche V zu verwenden, andersherum jedoch natürlich nicht.

Verkehrsschilder braucht man zwar auch auf Landstraßen, in Städten gibt es aber sehr viel mehr zu regeln und sie sind daher weitaus häufiger. Die einschlägigen Hersteller bieten hierzu verschiedene Sets an, mit denen man kostengünstig eine vorbildgetreue Beschilderung erreicht.

Es gibt viele Möglichkeiten

Eine besondere Herausforderung bei der Gestaltung von Stadtstraßen ist die Straßenbahn. Diese ist ein Kapitel für sich und kann Gegenstand ganzer eigenständiger Modellbahnanlagen sein. Eine funktionstüchtige Tram integriert man nicht „mal eben“ in die Anlage, das ist viel Aufwand und erfordert natürlich auch erstmal eine ausreichend große Stadt. Wenn man möchte, kann man aber trotzdem ein paar Tramschienen verlegen, um die Existenz einer Straßenbahn anzudeuten, auch wenn diese gar nicht fährt. Dafür sind sogenannte Rillenschienen nötig, um die es weiter unten nochmal geht.

Bei den wenigsten Modellbahnanlagen wird es möglich sein, eine große Stadt mit Straßenbahn und entsprechend breiten Straßen zu modellieren, dafür ist das einfach zu aufwendig und benötigt zu viel Platz. Je nach beabsichtigtem Motiv kann es aber sehr reizvoll sein, die Stadt zumindest anzudeuten. Man kann dann einen zentralen Platz zusammen mit zwei bis drei großen Straßen und ein paar kleineren Gassen ausgestalten und das kann zu beeindruckenden Ergebnissen führen, beispielsweise in Verbindung mit einem Halbrelief an der Wand und geeigneter Hintergrundbemalung.

Bahnübergänge

Beschrankter Bahnübergang Faller für Feldwege, Modellbau Straße

Anzeige: Dieser hübsche beschrankte Bahnübergang ist für Feldwege gedacht.

Bei den Bahnübergängen gilt es zu unterscheiden zwischen beschrankten und unbeschrankten. Letztere sind vor allem in der heutigen Zeit kaum mehr anzutreffen, können aber für Feldwege in Epoche III reizvolle Motive sein. Der Sicherheit zuliebe kreuzen Landstraßen die Schienen heutzutage nur noch an beschrankten Übergängen. Bahnübergänge kann man im Eigenbau fertigen, allerdings ist das recht aufwendig. Daneben sind viele verschiedene Bausätze erhältlich, mit denen solche Übergänge sehr einfach zu verwirklichen sind. Mitunter muss man dabei aber einige Anpassungen vornehmen, um dem Vorbild gerecht zu werden. Vor allem beim unbeschrankten Bahnübergang sollte bei der Lanschaftsgestaltung auf eine freie Sicht von der Straße aus geachtet werden, sonst kann ein Fahrer ja die Züge nicht kommen sehen.

Ein großer Vorteil an Bausätzen ist, dass die benötigten Schilder gleich mitgeliefert werden. Außerdem gibt es mehrere Modelle mit elektrisch betriebenen Schranken, die dann automatisch geöffnet und geschlossen werden können. Bahnübergänge gibt es vor allem von den Herstellern Faller und Busch zu kaufen. Ein besonderes Highlight ist der vollautomatische Bahnübergang von Märklin, der einfach in die Digitalsteuerung der Anlage integriert werden kann.

Für den Eigenbau von Bahnübergängen muss erneut mit Balsabrettchen gearbeitet werden. Es ist wichtig, dass die Straße wenige Meter vor dem Übergang ihre Wölbung verliert, anders ist ein Übergang nicht zu realisieren. Auf dem Übergang selbst werden im Vorbild Rillenschienen verwendet, die man durch einen geeigneten Abstand der Balsabrettchen nachstellen kann. Möchte man eine detailgetreue Nachbildung, kann man dieser Anleitung folgen.

 

Zusammenfassung

Der Straßenbau auf Modellbauanlagen ist eine wichtige Angelegenheit, die mit den richtigen Materialien einfach von der Hand geht. Landstraßen sind dabei etwas simpler zu konstruieren, während man in der Stadt viel mehr Details berücksichtigen muss. Bei Bahnübergängen kann man einfach auf Bausätze aus dem Handel zurückgreifen und sie unter Umständen noch individuell anpassen. Im nächsten Artikel dieser Serie geht es um Bäume im Modellbau.

Beitragsbild: Zu jeder größeren Stadt gehört auch ein Marktplatz. Hier sogar mit Straßenbahn.

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