17. März 2017 Max

5 Tipps für eine einzigartige Modelleisenbahn

Halbreliefs sind ein stimmungsvolles Element des Modellbahn-Hintergrunds.

Wenn man eine Modelleisenbahn plant, steht man vor einer Angelegenheit, die einen wahrscheinlich für mehrere Jahre beschäftigen wird. Umso wichtiger ist es, dass die geplante Anlage wirklich einzigartig wird, damit die Motivation auch über diesen Zeitraum bestehen bleibt. Dafür gibt es hier im Folgenden einige Ideen und Denkanstöße, wie man eine Anlage noch ein bisschen schöner und interessanter gestalten könnte. Das alles sind natürlich nur Tipps, die nicht jedem gefallen müssen. Es besteht auch gar kein Grund, alles gleich zu übernehmen. Nein, jeder soll selbst wissen, was für die eigene Anlage und Persönlichkeit passt, ich will hier nur Ideen geben.

 

1. Mehr Landschaft, weniger Gleise

Beschränkter Platz

Das grundlegende Problem einer Miniatureisenbahn ist ja der beschränkte Platz. Um den vorhandenen Platz optimal zu nutzen, sieht man häufig Anlagen, in denen sich die Gleise wie Achterbahnen winden. Möglichst alle typischen Elemente einer Modellbahn sind auf minimalem Raum untergebracht, was natürlich zu einem immensen Spielwert führt. Außerdem ist es ja schön, so auch viele unterschiedliche Züge unterzubringen.

Doch diese Konzeption bringt auch Nachteile mit sich. Bahnhöfe wirken oft unnatürlich kurz, fast verstümmelt, Gleisradien sind so eng, dass Entgleisungen keine Seltenheit sind und das Gesamtbild wird dem Vorbild nicht gerecht. Denn das Vorbild ist ja immer noch die reale Welt, und in der sind große Bahnhöfe nun mal kilometerlang und Gleisradien sehr weit.

Kompromisse finden

Keiner fordert, das Original 1:1 nachzubauen, das wäre zugegebenermaßen recht langweilig. Aber eine Modelleisenbahn will ja trotzdem ein Modell des großen Vorbilds sein, also sollte man vielleicht eher versuchen, sich ein konkretes Vorbild zu suchen und dann nachzubauen. Eine Modellbahnanlage muss nicht vielseitig sein, es genügt eigentlich, wenn sie sich auf genau ein Thema konzentriert und alles überflüssige weglässt. „Weniger ist mehr“ gilt hier. Daher sind Szenarien wie kleine Schmalspur- und Gebirgsbahnen so attraktiv für Modelleisenbahner, denn vor der Kulisse der Miniaturberge kommen die wenigen Züge viel besser zur Geltung, als sie es inmitten von zehn anderen Zügen auf einer Gleisachterbahn tun würden.

Ich finde, das ist besonders Helmut Langenberger mit seiner Anlage Appenfluhertal gelungen. Wer mehr Eindrücke sucht, kann sich dort umsehen und bestimmt den einen oder anderen Eindruck sammeln.

Modelleisenbahn Tipps Landschaftsgestaltung

Berglandschaft auf der Appenfluherbahn (Quelle: appenfluherbahn.com)

 

2. Nebenbahnen und Schmalspurbahnen

Modelleisenbahn Tipps Schmalspurbahnen.

Anzeige: Das Grubenbahn-Starterset von Busch ist eine gute Einstiegsmöglichkeit für Schmalspurbahnen.

Damit wären wir schon gleich bei Punkt zwei. Wer an seine Anlage minimalistisch herangehen möchte, für den seien Neben- und Schmalspurbahnen als Vorbilder empfohlen. Diese lassen sich auch auf kleinerem Raum als atemberaubende Schmuckstücke nachbauen und verströmen eine gewisse Eisenbahn-Romantik. Auch wenn sie in der realen Welt kaum bis heute überlebt haben, so kann man sie dennoch in einer vergangenen Epoche nachbauen, häufig wählt man hier die dritte.

Ein Nachteil von Schmalspurbahnen ist, dass man bei der Auswahl an Gleisen und Zügen relativ eingeschränkt ist. Doch das muss nicht hinderlich sein, und wenn man lange genug sucht, findet man eigentlich auch alles. Außerdem gibt es noch jede Menge Kleinserienhersteller, die immer wieder interessante Produkte rund um Schmalspurbahnen anbieten. An dieser Stelle soll besonders das Grubenbahnset von Busch erwähnt sein, mit dem man alles erhält, was für einen guten Einstieg in die Schmalspurbahn nötig ist. Wer sich für den Bau einer Schmalspurbahn interessiert, sollte außerdem auf jeden Fall der Website Schmalspurfan einen Besuch abstatten.

3. Eine charakteristische Szenerie wählen

Themenfindung

Die erste große Frage bei der Planung einer Modelleisenbahn muss immer die Frage nach dem übergeordneten Thema der Anlage sein. Denn dieses Thema bildet später den Charakter der Anlage und hinterlässt beim Betrachter einen bleibenden Eindruck, wenn es gut umgesetzt ist. Ideen für Themen gibt es genug, angefangen beim Gebirge. Ob die Alpen oder das Mittelgebirge, beides bietet reizvolle Szenerien und wird auch vielfach umgesetzt. Doch darüber hinaus könnte man auch markante Küstenstriche Nordeuropas, Industriegebiete in Deutschland oder England, den Wilden Westen Amerikas und auch Mittelmeerküsten modellbauerisch umsetzen, alles eine Frage des Geschmacks.

Das bildet natürlich nur eine kleine Auswahl an Möglichkeiten, außerdem ist man ja auch in der Zeitleiste variabel. Zugunsten des Realismus sollte man dabei nur auch die jeweiligen Gegebenheiten des Bahnverkehrs berücksichtigen und sich um authentische Lokomotiven bemühen. Doch wen das nicht stört, der soll sich nicht davon abhalten lassen, einen Hochgeschwindigkeitszug durch die Dschungel von Südamerika zu bauen. Der Sinn des Ganzen ist ja am Ende, dass man daran Spaß hat.

Weitere Beispiele

Die Wahl der Szenerie ist nicht nur eine Entscheidung für eine Sache, sondern auch eine Entscheidung gegen alles andere. Denn sehr wichtig ist hier, dass man sich ganz auf das Thema konzentriert, dann wird die Anlage umso authentischer und spannender. Als Vorbild kann man sich hier das Miniatur-Wunderland in Hamburg nehmen, denn dort ist es meisterhaft gelungen, den einzelnen Bauabschnitten durch die jeweiligen Themen einen eigenen Charakter zu verleihen. Von den Casinos in Las Vegas bis zum Meer in Skandinavien und jetzt dem neu eröffneten Italien, die einzelnen Abschnitte unterscheiden sich in ihrem Charakter grundlegend. Wer eine einzigartige Szenerie für seine Modelleisenbahn sucht, der sollte unbedingt dem Wunderland einen Besuch abstatten. Oder gleich eine Weltreise im Zug machen.

Bei der Wahl der Szenerie spielt auch die Jahreszeit eine Rolle. Die meisten Modellbahnanlagen thematisieren den Sommer, wenn die Landschaft in voller Blüte steht und die Bäume grün sind. Doch auch Winterlandschaften sind sehr reizvoll, insbesondere beim Gebirge. Ob eine Gebirgslandschaft im Sommer oder Winter dargestellt wird, macht einen riesen Unterschied! Und genauso spannend kann es sein, die Landschaft im goldenen Herbst oder beginnenden Frühling darzustellen. Auf diese Weise kann man einer Anlage einen einzigartigen Charme verleihen.

 

4. Eine lebendige Welt gestalten

Wie hebt man eine Modelleisenbahn auf ein neues Niveau? Ganz einfach: Man erweckt sie zum Leben! Das Highlight jeder Modelleisenbahn sind immer die Züge, denn sie sind in Bewegung während alles um sie herum praktisch eingefroren ist. Doch wenn man auch noch die Umgebung belebt, kann man den Betrachter noch viel mehr fesseln. Besucht man beispielsweise das Miniatur-Wunderland, findet man dort unzählige Details, wie Schießereien und Polizeieinsätze; Oft fallen diese auch gar nicht auf den ersten Blick auf. Doch gerade diese Tiefe an Details ist es, die eine Anlage auch nach längerer Betrachtung nicht langweilig werden lässt.

Für die eigene Anlage sind solche Spielereien vielleicht etwas zu ambitioniert, denn wenn Figuren sich bewegen und dabei noch Geräusche erzeugen sollen, wird es basteltechnisch recht aufwendig. Viel einfacher ist es aber, der unbelebten Umgebung ein wenig Dynamik zu verleihen. Das kann zum Beispiel mit einem Feuerwehreinsatz funktionieren: Man muss nur ein Haus entsprechend modifizieren, bemalen und mit gelb-orangefarbenen Leuchten ausstatten, dann braucht man noch ein paar Figuren von Feuerwehrmännern und vielleicht auch Schaulustigen. Und wenn man dann noch Journalisten mit Blitzlichtern dazustellt, wird die Szene umso lebendiger, und das mit überschaubaren Mitteln.

Auch mit einer Baustelle könnte man einer Anlage mehr Leben einhauchen. Außerdem kann man damit gleich noch Baukräne und -fahrzeuge in die Anlage integrieren. Besonders lebendig ist so eine Baustelle natürlich, wenn es gelingt, die Szene hektisch aussehen zu lassen, wie etwa durch einen Unfall. Solche modellbauerischen Feinheiten erfordern viel Übung und Zeit, führen aber zu tollen Ergebnissen. Eine weitere Idee ist die individuelle Beleuchtung von Häusern, sodass jedes Fenster unabhängig von den anderen beleuchtet werden kann. Damit einher geht auch der Wechsel zwischen Tag und Nacht, der ja auch völlig verschiedene Teile der Anlage zur Geltung bringen kann. Im Prinzip dreht sich hier alles um die Liebe zum Detail und die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

 

5. Der Hintergrund der Anlage

Praktisch jede Modelleisenbahn steht an mindestens einer Seite an der Wand, oft sind Anlagen auch an Wänden entlang gebaut. Und diesen Umstand kann man nutzen, um der Modellbahn eine besondere Tiefe zu verleihen. Denn wenn man die Wand mit einem passenden Hintergrund bemalt, wirkt die Anlage viel größer als sie ist. Besonders gut ist das im folgenden Bild geschehen, wo Anlage und Hintergrund schön wechselwirken.

Modelleisenbahn Tipps Hintergrundbild

Ein gelungenes Hintergrundbild (Quelle: www.moba-tipps.de)

Ein Hintergrundbild ist auch eine tolle Möglichkeit, die gewählte Szenerie noch zu verstärken. Auf begrenztem Raum hat man natürlich nicht die Möglichkeit, alle Ideen zu verwirklichen. So kann man auf der Anlage zum Beispiel nur einen Bahnhof mit den Ausläufern einer Stadt andeuten und der Rest der Stadt erstreckt sich dann im Hintergrund bis zum Horizont. Oder die Bahn schlängelt sich an der Küste entlang und im Hintergrund sieht man die schneebedeckten Berge. Je nach Thema der Anlage lassen sich immer gute Motive für den Hintergrund finden. Diese Hintergründe kann man entweder selbst gestalten oder im Fachhandel fertig erwerben. Findet man aber nichts, was den eigenen Vorstellungen entspricht, sollte man nicht davor zurückschrecken, selbst tätig zu werden.

Eine weitere Möglichkeit für die Gestaltung des Hintergrunds sind Halbreliefs, also Gebäude von denen nur die Front zu sehen ist, während der Rest im Hintergrund „verschwindet“ (siehe Titelbild). Das wirkt zum Teil sehr schön und lässt sich mit bedrucktem oder bemaltem Hintergrund sehr gut kombinieren. So können Halbreliefs eine sehr imposante Lösung für den Hintergrund sein, vor Allem bei städtisch geprägten Anlagen. Allerdings passt das natürlich nicht an allen Stellen und ist etwas aufwendiger.

Eine sehr einfache Möglichkeit, den Hintergrund zu gestalten, ist durch einen Spiegel. Wie überall, vergrößern Spiegel den Raum und dadurch auch die Anlage. Der wichtigste Punkt hier ist die Ausrichtung, damit die Anlage nicht verzerrt oder schief gespiegelt wird. Mit Sichtbarrieren im Mittelgrund kann man außerdem vermeiden, dass sich auch die Züge spiegeln, was nicht besonders gut aussehen würde. So kann man mit Spiegeln die vielleicht wirksamste Vergrößerung der Anlage erreichen.

Die nächsten Schritte

Die Thematiken der Epoche und Spurweite wurden hier schon angedeutet, wer sich dafür genauer interessiert, kann sich hier die ausführlichen Beiträge dazu ansehen. Außerdem interessant für mehr Anregungen sind sicherlich Modellbahn Bücher. Wer einsteigen möchte, kann sich bei den Startersets umsehen, wer mit der detaillierten Planung der Anlage beginnen will, ist mit dem Artikel über die Anlagenformen wohl am besten beraten. Zum Modellbahn Bau geht es hier.

 

Titelbild: Halbreliefs sind ein stimmungsvolles Element des Modellbahn-Hintergrunds.

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