2. April 2017 Max

Gestaltung mit Modellbau Wasser – Modellbahn Bau, Teil IV

Der Bach ist für die Stimmung auf der Anlage genauso wichtig wie die Züge

Im Rahmen dieser Reihe haben wir schon die Unterkonstruktion, den Gleisbau und den Landschaftsbau der Modellbahnanlage besprochen. Bisher besteht die Landschaft aber nur aus Felsen und begrünten Flächen, beim Landschaftsbau ging es nur um die Darstellung von Gras auf der Anlage. Das soll sich hier ändern, denn Gewässer sind nicht wegzudenkende Elemente von Modellbahnanlagen. Es gibt sie in der Realität in überragender Vielfalt und ihre Modellierung stellt Modellbauer immer wieder vor Herausforderungen. Doch es gibt gute Möglichkeiten, die Anlage durch sinnvollen Einsatz von Modellbau Wasser zu beleben:

Möglichkeiten für Modellbau Wasser

Für das Integrieren von Wasser in die Modellbahnanlage (und im Modellbau allgemein) gibt es mehrere Möglichkeiten, die im Folgenden vorgestellt werden sollen:

  1. Tatsächliches Wasser

    Das ist die naheliegendste, aber in der Regel auch schlechteste Variante. Für richtig große Gewässer kann es gut geeignet sein, insbesondere wenn man auch Schiffe auf der Anlage fahren lassen möchte, zum Beispiel beim Skandinavien-Abschnitt im Miniatur-Wunderland. Aber es hat eine Reihe von Nachteilen, zum Beispiel die Verdunstung bei kleinen Gewässern und die schlechtere Modellierbarkeit. Denn maßstabsgetreue Wellen lassen sich auf diese Weise sicherlich nicht realisieren, genauso wenig wie alles was ein Gefälle enthält. Alles in allem also nur in Spezialfällen interessant.

  2. Gießharz

    Gießharz von Vallejo, Modellbau Wasser

    Anzeige: Mit Gießharzen gelingen vor allem Seen sehr gut.

    Die üblichste Methode, Wasser darzustellen ist mithilfe eines Gießharzes. Dabei handelt es sich üblicherweise um ein Epoxidharz, das in die gewünschten Vertiefungen gegossen werden kann und danach polymerisiert. So entsteht eine glänzende, transparente Oberfläche, die noch mit Farben nachbearbeitet werden kann. Gießharze haben aber auch Nachteile, zum Beispiel wird man Schwierigkeiten bei Bächen mit großem Gefälle haben, da sich der Großteil des Harzes noch vor dem Aushärten an der tiefsten Stelle sammeln wird. Außerdem entsteht bei der Polymerisation Wärme, man sollte also große Schichtdicken vermeiden. Will man aber einen See oder einen ruhigen Fluss modellieren, eignen sich Harze hervorragend als Modellbau Wasser. Sie sind von verschiedensten Herstellern in Fertigpackungen erhältlich, dazu kann man sich dann auch noch passende Acrylfarben zulegen.

  3. E-Z-Wasser

    E-Z Wasser von Woodland Scenics als Modellbahn Wasser

    Anzeige: E-Z Modellbau Wasser ist eine gute Lösung für Fließgewässer. Man benötigt aber einen Heißluftföhn.

    Als E-Z Wasser wird spezielles Kunststoffgranulat bezeichnet, das durch Hitzeeinwirkung schmilzt und sich dann glasartig verfestigt. Dafür kann man beispielsweise einen handelsüblichen Heißluftföhn verwenden. Der verflüssigte Kunststoff wird sehr schnell wieder fest, funktioniert also auch bei Gefälle optimal. Die Nachbearbeitung ist genauso wie bei Gießharzen möglich, die Aushärtung geht aber deutlich schneller. Das bringt aber den unmittelbaren Nachteil mit sich, dass die entstehenden Wasseroberflächen nicht unbedingt perfekt eben sind. Das Granulat eignet sich auch deswegen nur für sehr dünne Wasserschichten, da man nicht zu viele Körnchen gleichzeitig schmelzen sollte, sonst erhält man unter Umständen ein ungleichmäßiges Ergebnis. Im Zweifelsfall sollte man also mehrere Schichten nacheinander aufbringen. Problematisch kann natürlich auch die Hitze sein, wenn sich in der Nähe des Flussbetts im Untergrund Styropor oder andere hitzeempfindliche Kunststoffe befinden. Entweder man plant das also schon vorher mit ein, oder man muss sich auf eine andere Weise behelfen. Das Erhitzen des Kunststoffs in einem gesonderten Behälter ist aber auch möglich, dann kann man das verflüssigte Material einfach übergießen. E-Z Wasser ist handwerklich also anspruchsvoller, kann für Fließgewässer aber sehr gut funktionieren. Für große Gewässer ist es weniger geeignet.

  4. Seefolie

    Seefolie von Busch als Modellbau Wasser

    Anzeige: Seefolie ist beispielsweise für ruhige Flüsse oder Seen geeignet.

    Wer sich das Arbeiten mit Harz oder Granulat sparen möchte, kann auf die bewährte Methode mit Seefolie zurückgreifen. Damit lassen sich sowohl Flüsse als auch Seen modellieren. Die Folie kann man passend zuschneiden und mit Kleber auf dem Untergrund befestigen. Seefolie ist transparent und farblos, hat aber eine schillernde Oberfläche, die Wasserbewegungen simuliert. Auf diese Weise bekommt das Gewässer aber keine Farbe, also empfiehlt sich das Unterlegen von Farbpapier, das auch meist mitgeliefert wird. Seefolie ist also besonders geeignet, um tiefe Gewässer zu simulieren, bei denen man nicht auf den Grund sehen soll. Problematisch sind aber die kleinen Blätter, die mitunter für größere Oberflächen nicht ausreichen. Trotzdem ist die Folie wohl die einfachste Variante, um Gewässer auf der Modellbahnanlage darzustellen. Unruhige Gewässer verwirklicht man aber besser mit Harz oder Granulat.

Das sind nicht die einzigen Möglichkeiten für Modellbau Wasser. Findige Modellbauer haben sich noch viele weitere Methoden ausgedacht: Man kann Seen auch durch bemalte Rauhfasertapeten improvisieren oder gar ganze (Plastik-) Glasplatten verwenden. Mit den hier vorgestellten Varianten ist man aber für eigentlich alle Situationen gerüstet, daher möchte ich es dabei belassen.

 

Schritt für Schritt: Gestaltung eines Flussbetts

Da sowohl Gießharze als auch E-Z Wasser transparent sind, wird man bei beiden Methoden das ganze Flussbett in der fertigen Anlage noch sehen, der Uferbereich ist ja sowieso sichtbar. Das ist für flache Gewässer auch realistisch. Damit das dann auch gut aussieht, ist es natürlich wichtig, in das Flussbett ein wenig Mühe hineinzustecken. Im Folgenden gibt es eine grobe Anleitung für so ein Flussbett.

Materialien

Modellbau Gewässer-Gestaltungsset von Busch, Modellbau Wasser

Anzeige: Mit einem Gewässer-Gestaltungsset hat man alle Utensilien für die Gestaltung des Flussbetts.

Grundsätzlich braucht man hier wieder die Utensilien aus dem Geländebau, also Gips, Kleber, Streumaterial und Staubsauger. Zusätzlich sind kleine Steinchen nicht verkehrt, da kann man auf das Sortiment der Hersteller zurückgreifen oder einfach beim nächsten Spaziergang Kiesel sammeln. Für das Modellieren des Flussbetts eignet sich eine selbst angerührte Mischung aus Weißleim und feinen Holzspänen (z. B. vom Schreiner). Als Streumaterial für sandige Stellen eignet sich Vogelsand (gibt es günstig in der Tierhandlung). Das Einfärben kann mit Acrylfarben erfolgen. Will man nicht alles einzeln kaufen, kann man auch ein Set erwerben, in dem alle Utensilien enthalten sind. So eine Packung wird beispielsweise von Busch auf Amazon angeboten.

Flussbett

Das Flussbett sollte man als Vertiefung schon beim Rohbau der Anlage berücksichtigen. Möchte man hier mit Granulat (E-Z-Wasser) arbeiten, muss man auf Styropor bei der Konstruktion verzichten, als Alternativen bieten sich Holz oder Gips an. Formen zum selbstständigen Gießen von Gipsmauern bieten sich hier an. Sobald der Rohbau des Flussbetts steht, kann zur Ausgestaltung übergegangen werden.

Dafür wird das Flussbett grob mit der Holzspan/Leim-Masse geformt und dabei eine mäandernde Vertiefung für das Wasser geschaffen. Jetzt ist auch der Moment, die Steinchen zu platzieren, diese wirken im Gebirgsbach sehr realistisch und kleben leicht auf dem Leim-Gemisch. Es ist hier wichtig, möglichst gleichfarbige Steinchen zu verwenden. Nach dem Trocknen kann das Bett mit Kleber bestrichen werden und der feine Sand darauf gesiebt werden, genau wie beim Begrünen. Für den Uferbereich bietet es sich an, mit einer Mischung aus Sand, Erde und Kieselsteinen zu experimentieren und teilweise zu begrünen. Hier kann man je nach Geschmack auch einige Gräser oder Stauden anbringen. Mit der endgültigen Ausgestaltung sollte man aber warten bis der Wasserstand feststeht.

Acrylfarben-Set mit 12 Farben für Modellbau Wasser

Anzeige: Acrylfarben kauft man am Besten im Set und mischt sich eigene Farbnuancen.

Danach erhält das Flussbett seine Vegetation. Man kann hier mit Acrylfarben in verschiedenen Grüntönen experimentieren und zusätzlich Poly-Fiber verwenden. Unter Umständen muss man beim Material noch farbige Akzente setzen. Ist man mit der Gestalt des Flussbetts zufrieden, ist es Zeit, das Wasser in Form von Acrylharz oder Granulat hinzuzufügen.

In beiden Fällen kann es notwendig sein, mehrere Schichten aufzutragen. Beim E-Z Modellbau Wasser geht das aber viel schneller, denn hier haftet neues Granulat bestens an der noch warmen Schicht darunter und man kann gleich weiterarbeiten. Egal mit welchem Material man arbeitet, man lässt das „Wasser“ zunächst aushärten und modelliert noch keine Wellen hinein, das würde nicht gut aussehen. Viel einfacher geht das im Nachhinein mit weißer Fenstermalfarbe:

Wasseroberfläche und Ufer

Die Fenstermalfarbe ist zwar zunächst weiß, wird beim trocknen aber transparent und verschmilzt perfekt mit dem Kunstwasser darunter. Für die Modellierung von gleichmäßigen Wellen muss die Farbe zunächst flächig auf die Oberfläche aufgetragen werden, dann kann man mit einem Finger die Wellen nach Geschmack „hineintupfen“. Will man eine verwirbelte, unregelmäßige Oberfläche, eignet sich ein Borstenpinsel am Besten. Hat man in das Flussbett umspülte Steinchen integriert, sehen die Verwirbelungen umso besser aus. Hier sollte man auch kleine Schaumkronen integrieren, was mit ein wenig milchig weißer Farbe in einem zweiten Arbeitsgang gut funktioniert. Dabei ist aber Vorsicht geboten, denn was man zu viel einsetzt, kann man im Nachhinein nicht mehr entfernen. Für das Trocknen der Fenstermalfarbe sollte man mindestens ein paar Stunden rechnen.

Für eine vorbildgetreue Ausführung der Wasseroberfläche kann es hilfreich sein, Bildmaterial von tatsächlichen Gewässern zurate zu ziehen. Die Oberfläche von Gebirgsbächen ist natürlich ganz anders als die von einem stillen Teich und das ist auch wiederum vom Wetter abhängig. Aber eine perfekt glatte Wasseroberfläche sieht man eigentlich nirgendwo, daher sollte man von der Fenstermalfarbe in eigentlich jedem Fall Gebrauch machen.

Ist das Modellbau Wasser komplett getrocknet, kann man an die Ausgestaltung des Ufers gehen, jetzt ist der genaue Wasserstand ja auch bekannt. Hier gibt es eigentlich nichts neues, es gilt weiterhin das Vorgehen aus Teil IIIReizvolle Möglichkeiten können hier Seegras oder Schilf sein, je nach gewähltem Motiv.

Weitere Perspektiven – Modellbau eines Wasserfalls

Modellierung eines Wasserfalls.

Die Modellierung eines Wasserfalls ist wegen des starken Gefälles eine Herausforderung. (Quelle: moba-tipps.de)

Diese Anleitung für die Gestaltung eines Flussbetts kann in abgewandelter Form auch für andere seichte Gewässer gelten. Ab einer gewissen Tiefe ist es aber unrealistisch, dass man auf den Boden sehen kann, hier wählt man besser einfach Seefolie. Einen Sonderfall bei der Wassergestaltung bietet der beliebte Wasserfall im Modellbau. Dieser ist mit den hier vorgestellten Methoden nicht zu verwirklichen. Dennoch schaffen kann man es, indem man das Gießharz im Vorhinein eindickt, sodass eine spachtelbare Masse entsteht. Eine genaue Anleitung dazu gibt es auf moba-tipps.deAlternativ kann das auch mit Acrylmasse gelingen.

Im nächsten Beitrag soll es um weitere Optionen bei der Begrünung der Anlage gehen, und zwar um Bäume. Diese kann man zwar fertig kaufen, aber im Eigenbau sehen sie eigentlich immer besser aus.

 

Titelbild: Bergbach neben Gleistrasse, Quelle: appenfluhertal.com. Dieser Gebirgsbach ist täuschend echt mit viel Liebe zum Detail modelliert – aus Modellbau Wasser.

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