24. März 2017 Max

Anlagenformen und der richtige Ort – Modellbahn Planung, Teil I

Modellbahn Planung: Anlagenformen

Eine der ersten Fragen bei der Modellbahn Planung ist die nach der Form der Anlage. Denn eins ist klar: Abhängig von der gewählten Spurweite muss man für eine Modellbahnanlage einen gewissen Platz zur Verfügung haben, doch es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Anlage zu gestalten, um aus jedem denkbaren Raum das Maximum herauszuholen. Denn auch wenn man kein komplettes Zimmer für eine Anlage übrig hat, gibt es viele interessante Möglichkeiten, die Anlage unterzubringen. Im Folgenden folgt nun eine kurze Vorstellung der beliebtesten Anlagenformen.

Doch vorher noch ein paar Vorüberlegungen: Zunächst einmal muss man sich für eine Nenngröße/Spurweite entscheiden und davon hängt dann auch der Platzbedarf ab. Da in den meisten Fällen die Wahl auf eine H0 Modelleisenbahn fallen wird, sollte man schon ein paar Quadratmeter im Haus oder der Wohnung übrig haben. Hat man gleich einen ganzen Raum frei, ist das natürlich ideal aber nicht unbedingt notwendig. Man kann die Anlage auch in ein Zimmer integrieren, häufig Kinder- Wohn- oder Arbeitszimmer. Das ist besonders schön, weil man so immer Freude daran haben kann und die Bahn nicht im Keller verstaubt; Im Weg stehen sollte sie aber natürlich nicht.

 

Die ebenerdige Spielanlage

Das ist wohl die erste Phase der meisten Modellbahnanlagen gewesen und besonders beliebt wegen ihrer Einfachheit. Dabei stellt sie eigentlich nur ein Provisorium dar: Man packt die Gleise des ersten Startersets aus und verlegt sie aus Mangel an Platz einfach auf dem Fußboden. Wenn man jetzt schon Ergänzungspackungen besitzt, ergibt das nicht nur ein einfaches Oval, sondern schon ein recht interessantes Gleisbild, auf dem man den ersten Zug fahren und rangieren lassen kann. Mit der Zeit wird das aber öde und die Gleise stehen irgendwann auch nur noch im Weg, deswegen wird die Bahn dann wieder abgebaut und verschwindet im Karton. Dank der heute robusten und einfachen Gleise (wie z. B. Märklin C-Gleis) kann man die Anlage auch problemlos häufiger auf- und wieder abbauen, aber wenn man das Modellbahner-Hobby etwas anspruchsvoller verfolgen will, muss eine dauerhafte Lösung her. Und die lautet im einfachsten Fall: Plattenanlage.

 

Die rechteckige Plattenanlage

Bei einer Plattenanlage ist die Modellbahn vom Fußboden auf eine feste Platte gewandert, wo sie nun ihren dauerhaften Platz gefunden hat. Auf der Platte, die meist die Form eines Rechtecks hat, und deren Größe man frei wählen kann, ist es nun endlich möglich, eine Landschaft zu gestalten. Dadurch gewinnt die Modellbahn einiges an Charme und beginnt nun, nicht mehr nur ein Spielzeug, sondern eine schöne Dekoration zu sein. Da sich nun alles auf dieser Platte abspielt, spricht man auch von einer geschlossenen Anlage (zur offenen Anlage kommen wir auch noch).

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Klassische Plattenanlage die an der Wand steht.

Auf so einer Platte hat man nun jede Menge Möglichkeiten und daher ist sie auch eine häufig anzutreffende Anlagenform. Sie bringt aber auch Nachteile mit sich: Eine rechteckige Platte ist bei etwa 2 Quadratmetern noch gut von einer Seite zugänglich, aber auf dieser Fläche schafft man zumindest im Maßstab H0 nicht besonders viel. Denn wenn die Züge außen auf einem Oval fahren, bleibt nur in der Mitte Platz für Landschaftsgestaltung, was nicht besonders glaubwürdig aussieht. Außerdem entstehen so unnatürlich enge Kurvenradien. Wenn man sich für einen größeren Grundriss entscheidet, hat man zwar sehr viel mehr Platz zur Gestaltung, aber muss die Platte nun von allen Seiten aus zugänglich machen, um auch überall noch hingreifen zu können. Und dann beansprucht so eine Plattenanlage auf einmal sehr viel Platz und man muss ihr nun ein ganzes Zimmer opfern. Da gibt es effizientere Möglichkeiten.

Eine weitere Möglichkeit für solche Plattenanlagen sind sogenannte Fertiggelände. Hier fallen die aufwendigen Planungsschritte weg, denn Trassenführung und Unterbau sind bereits vom Hersteller erledigt. Wer nicht viel Zeit hat, kann auf diese Weise den Traum von der eigenen Modellbahn verwirklichen. Allerdings gibt man dadurch alles Kreative aus der Hand und hat nicht mehr so viele Möglichkeiten, die Anlage zu individualisieren.

 

Weiterentwicklung der Plattenanlage

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Neben der L-Form sind auch noch C- und E-Formen denkbar.

Damit die Anlage nun Raum genug für interessante Gestaltung bietet, dabei aber von einer Seite noch alles erreichbar bleibt, müssen wir von der rechteckigen Anlagenform abweichen. Es bieten sich verschiedene an Buchstaben angelehnte Formen wie L oder E an, dabei sollte man aber nicht den Platzbedarf authentischer Kurvenradien unterschätzen.

Besonders reizvoll ist eine Anlage aus mehreren Ebenen. Die entstandene „Dreidimensionalität“ macht solche Modellbahnen besonders interessant und auf diese Weise können verschiedenste Elemente wie Berge, Täler, Tunnel und Brücken integriert werden. Der Planungsaufwand steigt dadurch aber immens, denn nun braucht man mindestens einen großen Schattenbahnhof und eine Gleiswendel, um die Ebenen miteinander zu verbinden. Dadurch wird wiederum eine komplexe Unterkonstruktion notwendig, die man auch erst mal planen muss, die Wahl fällt hier meist auf die offene Rahmenbauweise. Nicht nur für Einsteiger ist so eine mehrstöckige Modellbahn also eine ziemliche Herausforderung. Mehr Informationen zur offenen Rahmenbauweise gibt es beim Anlagenbau.

Bei solchen Anlagen handelt es sich nicht mehr um eine Plattenanlage im eigentlichen Sinn, denn jetzt ruht ja nicht mehr alles auf einer Platte, sondern auf einem Gerüst aus Holzrahmen. Da es hier aber eher um die Form (also den Grundriss) gehen soll, wollen wir uns hier nicht in Feinheiten verstricken.

 

Die an-der-Wand-Anlage

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Die Wandanlage lässt in der Mitte des Raumes noch viel Platz.

Für manche Räume bietet es sich an, die Anlage einfach rings um die Raummitte zu bauen; Voraussetzung ist hier natürlich, dass die Wand nicht schon durch Schränke etc. zugebaut ist. Diese Anlagenform eignet sich besonders gut, wenn man die Anlage in ein anderweitig genutztes Zimmer integrieren und dann sozusagen mit der Modellbahn leben will. Der große Vorteil einer Wandanlage sind die langen Gleisstrecken, die sich dadurch ergeben. Hier können dann auch sehr lange Züge gut zur Geltung kommen. Durch die Anlagenführung an der Wand sind alle Gleise gut erreichbar und man hat gute Möglichkeiten hinsichtlich der Gestaltung. So lassen sich durch Trennelemente wie Berge (Tunnel) oder Täler (Brücken) auch problemlos mehrere Themen nebeneinander verwirklichen.

Der Vorteil der Wandanlage ist die gute Platzökonomie bei schön langen Gleisstrecken. Ist man mit den schmalen Elementen an der Wand nicht zufrieden, bietet es sich an, die Wandanlage mit einer Plattenanlage zu kombinieren, das benötigt dann natürlich etwas mehr Platz.

 

Die offene Anlage

Das Prinzip einer offenen Anlage ist eine sichtbare Gleisstrecke, auf der die Züge hin- und herfahren. Dabei kommen sie immer aus der Richtung zurück, in die sie gefahren sind, was sich schön am Vorbild orientiert. Bei den bisherigen, im Kreis geführten, Anlagen ist das ja nicht so. Erreicht wird das durch je eine Wendeschleife an den beiden Enden der Anlage. Diese sollte man verdeckt unterbringen und gleich als Schattenbahnhöfe ausführen, sodass man etwas Abwechslung bei den Zügen hat. Auf diese Weise kann man große Bahnhöfe sehr gut auf der eigenen Anlage umsetzen. Auch ein mehrstöckiger Aufbau bedeutet bei dieser Anlagenform durch die ohnehin vorhandenen Wendeschleifen keinen zu großen zusätzlichen Aufwand.

Ein Nachteil der offenen Anlage ist der Platzbedarf der beiden Wendeschleifen, bzw. der planerische Aufwand, wenn man diese auf einer unteren Ebene unterbringt.

Modellbahnanlagen

Schematischer Aufbau einer offenen Anlage. Im sichtbaren Bereich kann man so einen authentischen Bahnhof errichten.

 

Die Modul- oder Segmentanlage

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Dieser Abschnitt setzt sich aus drei separaten Modulen zusammen.

Modulanlagen sind vor allem bei Clubs und Vereinen beliebt, denn sie eignen sich hervorragend zum gemeinschaftlichen Bau. Das Prinzip ist ganz simpel, nämlich baut jeder seinen eigenen kleinen Abschnitt und bei Bedarf wird dann alles zusammengefügt. Dafür ist natürlich die Voraussetzung, dass sich alle auf eine Norm für die Kopfstücke jedes Moduls einigen, wo die Höhe und Position der Gleise sowie die elektrischen Verbindungen dann immer gleich sind.

Der Vorteil an solchen Modulen ist, dass man diese durch die genormten Kopfenden in beliebiger Kombination aneinanderreihen kann und die Anlage auf diese Weise auch später noch durch neue Module einfach modifizieren kann. Ein einzelnes Modul ist aber in der Regel nicht betriebsfähig, man ist also auch auf andere Module angewiesen. Modulanlagen sind dadurch aber sehr mobil und können einfach transportiert werden. Wer sich für den Bau eines solchen Moduls interessiert, sei an den Freundeskreis europäischer Modelleisenbahner verwiesen, der die hier üblichste Norm stellt.

Doch die Vorteile einer Anlage aus mehreren Modulen kann man auch nutzen, wenn man nur für sich bauen möchte: Generell ist es empfehlenswert, eine Modelleisenbahn segmentweise zu planen. Das bedeutet, mit einem kleinen Teil zu beginnen, der für sich genommen funktionstüchtig ist aber Raum für Erweiterungen lässt. So erzielt man schneller Erfolgserlebnisse und ist flexibler, denn so eine Anlage ist ja ein jahrelanges, womöglich sogar lebenslanges Konzept, während sich die eigene Wohnsituation vielleicht ändern könnte. Interessante und weiterführende Gedanken dazu finden sich zum Beispiel hier.

 

Modelleisenbahn Planung: Der richtige Ort

Den richtigen Ort für die Anlage zu finden, ist nicht immer einfach. Wenn man gerade kein Zimmer übrig hat, bleibt noch die Möglichkeit, die Modelleisenbahn in ein anderweitig genutztes Zimmer zu integrieren. Das funktioniert besonders gut bei der Wandanlage und auch bei kleinen Plattenanlagen. Man sollte aber noch mehr Faktoren als nur den verfügbaren Platz beachten: Temperatur und Beleuchtung spielen eine wichtige Rolle.

Raumklima

Kurz und bündig: Temperaturschwankungen sollte man vermeiden. Das Neusilber, aus dem die meisten Schienen bestehen, dehnt sich wie alle Metalle und Legierungen bei höheren Temperaturen aus und das führt dann im schlimmsten Fall zu Spannung und höherem Verschleiß. Direkte Sonneneinstrahlung ist also nicht wünschenswert.

Problematisch ist auch hohe Luftfeuchtigkeit. Darunter leidet das Holz des Unterbaus und das soll ja möglichst lange halten, besonders wenn man es zu einem festen Rahmen verbaut. Ein feuchter Keller ist also auch kein guter Standort für eine Modelleisenbahnanlage. Besonders angenehm wäre dieser ohnehin nicht um dort stundenlang zu basteln. Hier kann ein Frostwächter Abhilfe schaffen. Wenn man also sowohl starke Temperaturschwankungen, als auch hohe Luftfeuchtigkeiten vermeidet, ist man auf der sicheren Seite.

Die Beleuchtung

Direkte Sonneneinstrahlung kann also nicht unsere Lichtquelle sein und auch indirektes Sonnenlicht hilft uns am Abend nicht weiter. Nötig sind also Lampen. Das Problem ist dabei aber, dass eine Lampe ein völlig anderes Licht aussendet als die Sonne und eine Anlage dann durch unnatürliche Schattenwürfe sehr viel Charme einbüßt. Es lohnt sich also, möglichst diffuse Lichtquellen einzusetzen, was mit einer Kombination aus mehreren Leuchten und Milchglas gehen würde. Alternativ kann man auch an mehreren Stellen möglichst senkrecht von oben direkt ausleuchten.

Gedanken sollte man sich auch über den Farbton des Lichts machen, denn damit kann man der Anlage einen gewissen Reiz verleihen oder eben nicht. Bläuliches Licht von Leuchtstoffröhren sollte man grundsätzlich vermeiden, aber bei winterlichen Szenerien kann auch genau das sehr gut funktionieren. Probieren geht also über studieren, um die Anlage ins rechte Licht zu rücken.

Resümee

Die Wahl der Anlagenform ist eine sehr spannende Phase bei der Modellbahn Planung. Man kann die Anlage mit verschiedensten Konzepten verwirklichen und hat somit in allen möglichen Ausgangssituationen interessante Möglichkeiten. Als Einsteiger wird man im Regelfall die Plattenbauweise wählen und damit auch ganz schöne Ergebnisse erzielen. Will man eine komplexe Anlage mit mehreren Ebenen, sollte man sich unbedingt mit der offenen Rahmenbauweise auseinandersetzen. Das kann man dann unter Umständen auch als offene Anlage verwirklichen. Und will man mit der Modellbahn wohnen und sie als Dekoration in ein Zimmer integrieren, ist die an-der-Wand-Anlage wohl die beste Wahl. Modulanlagen sind interessant, wenn man mit Gleichgesinnten zusammen an einer Anlage arbeiten möchte, ohne dabei zu viele Kompromisse machen zu wollen. Der Bau in Segmenten ist aber auch für die eigene Anlage interessant. Und außerdem gilt es bei der Modelleisenbahn Planung noch Faktoren wie Klima und Licht zu berücksichtigen.

Im zweiten Teil dieser kurzen Serie geht es um die Gleisplanung und verschiedene Software, mit der diese leichter von der Hand geht.

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