7. März 2017 Max

Modellbahn Epochen in der Übersicht

Dampflokomotiven sind typisch für die Epochen I-III. (Quelle: Rene Schwietzke auf Flickr, https://www.flickr.com/photos/rene-germany)

Hat man sich mit den verschiedenen Nenngrößen auseinenandergesetzt, geht es an die thematische Planung der Anlage. Während für die Einen hier der Spaßfaktor einer Modelleisenbahn im Vordergrund steht, ist anderen jedes Detail der Modellbahnanlage wichtig. Und ein wichtiges solches Detail ist der Zeitraum, in der die Anlage angesiedelt ist. Für die Vorstellung der einzelnen Modellbahn Epochen bietet sich eine kurze Reise in die Geschichte der Eisenbahn an.

Epoche I

Wie allgemein bekannt ist, begann diese Geschichte in Deutschland mit dem Zug „Adler“, der zwischen Nürnberg und Fürth verkehrte. Dem folgte der Aufbau eines landesweiten Schienennetzes, der die Eisenbahn als öffentliches Transportmittel etablierte. Diese erste Blütezeit der Bahn markiert den Beginn von Epoche I, der Pionierzeit der Eisenbahn. Sie war geprägt von Privatbahnen und militärischen Zügen, also von regional sehr unterschiedlichen Bahnen. Epoche I erstreckt sich über den deutsch-französischen Krieg und die Jahrhundertwende bis hinein in den ersten Weltkrieg. Mit der Gründung der deutschen Reichsbahn 1920 endet die erste Epoche.

Auch wenn die erste Eisenbahnepoche aufgrund des wechselhaften politischen und gesellschaftlichen Umfelds vielleicht gleich als die Interessanteste erscheint, sollte man sich der Schwierigkeiten bewusst sein, die dieser Zeitraum mit sich bringt. Das liegt an seiner Länge von 85 Jahren, denn damit ist er die mit Abstand längste Epoche. In dieser Zeit fanden viele technische Entwicklungen statt und die Eisenbahn in der Mitte des 19. Jahrhunderts ist mit einer um die Jahrhundertwende kaum zu vergleichen. Beispiel hierfür sind die heute so selbstverständlichen Schottergleise, die erst um 1900 herum flächendeckend eingeführt wurden. Auch gab es aufgrund der Privatbahnen eine Vielfalt unterschiedlicher Züge, die sich in heutigen Modellen vielleicht gar nicht mehr wiederfinden. Für den Bau einer Anlage aus Epoche I ist also eine ganze Menge Recherche und teilweise auch Eigenbau nützlich.

Epoche II

Die Epoche der deutschen Reichsbahn ist auch die Epoche des Nationalsozialismus und des zweiten Weltkriegs. Auch wenn natürlich schon die erste Epoche von Dampflokomotiven geprägt war, denkt man bei einer typischen Dampflok eher an eine der zweiten Epoche, denn zu dieser Zeit wurden die größten und schönsten Exemplare davon gebaut. Zu dieser Zeit begann aber auch schon die Elektrifizierung wichtiger Strecken und die ersten Elektroloks traten ihren Siegeszug an.

In der zweiten Epoche prägten einheitliche Züge das Bild der Eisenbahn. Es gab die ersten Schnellzüge, zum Beispiel den legendären Rheingold-Express und Stromlinienverkleidungen von Dampfloks wurden entwickelt. Epoche II ist ein interessanter Zeitraum für Liebhaber von Dampflokomotiven, aber auch die militärische Bedeutung der Bahn erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Epoche endet nicht mit dem zweiten Weltkrieg, sondern mit der Trennung Deutschlands und der damit einhergehenden Trennung der Reichsbahn in DB und DR.

Epoche III

Die dritte Epoche ist wahrscheinlich das beliebteste Motiv bei Modelleisenbahnern. Diese Epoche ist unter anderem deshalb so reizvoll, weil Dampflokomotiven hier neben modernen Triebwagen verkehrten. Zu dieser Zeit erhielt der Rheingold-Express seine charakteristischen Lokomotiven und Wagen und die letzten Dampfloks wurden gebaut. Während der dritten Epoche ereignete sich auch das deutsche Wirtschaftswunder und das Auto trat seinen Siegeszug an. In dieser Zeit verlor die Bahn ihr Quasi-Monopol auf den Personen- und Gütertransport über Langstrecken. Auch die Klassen der Züge änderte sich: Waren bisher die Sitzplätze der Waggons noch in drei Klassen unterteilt, wurde die erste Klasse 1956 abgeschafft. Das markiert den Beginn der Klasseneinteilung wie wir sie heute kennen.

Da die dritte Epoche so beliebt bei Modelleisenbahnern ist, gibt es eine große Vielzahl an Zubehör und Lokomotiven, sodass kaum ein Wunsch offen bleibt. Als Ende der dritten Epoche gilt die Einführung von Computernummern für die Bahnen um 1970, der Übergang zur vierten Epoche ist aber fließend.

Epoche IV

Die Epoche IV markiert die endgültige Abschaffung der Dampflokomotiven in Westdeutschland. Während dieser Zeit traten die Elektroloks ihren Siegeszug an und der Intercity-Verkehr, der bis heute besteht, wurde eingeführt. Ein Reiz dieser Zeit ist der Unterschied zwischen den Eisenbahnbetrieben der BRD und der DDR, wobei letztere weiter rückständig war und noch mehr auf Dampfkraft setzte. Trotzdem ist diese Epoche eher von untergeordneter Bedeutung für die meisten Modellbahner, da sie zwischen den thematisch interessantesten liegt. Das Ende der vierten Epoche leutete der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung 1990 ein.

Modellbahn Epochen V und VI

Mit der deutschen Einheit beginnt auch die Zeit des Hochgeschwindigkeitsverkehrs. Die beiden deutschen Staatsbahnen wurden in der DB AG zusammengeführt und das Ziel war seitdem ein gewinnbringender Betrieb. Der Güterverkehr erreicht neue Dimensionen und auch private Bahngesellschaften entstehen wieder. Kennzeichen dieser Zeit ist vor allem der Wettbewerb mit Privatbahnen, aber auch Fluglinien und dem Auto. Das charakteristische Flaggschiff der fünften Epoche ist der ICE, der inzwischen fast den kompletten Fernverkehr der Deutschen Bahn leistet.

Die Einführung eines neuen 12-stelligen Nummernschemas für Bahnfahrzeuge 2006 markiert den Übergang zur Epoche VI. Hier beginnt sich der nationale Hochgeschwindigkeitsverkehr in Europa bis in die Gegenwart zu internationalisieren.

Die Epochen V und VI bilden den aktuellen Stand der Bahntechnik ab und sind neben der dritten Epoche sehr beliebte Motive für Modelleisenbahner. Vor allem der Betrieb eines ICE auf der eigenen Anlage ist sehr reizvoll. Die meisten großen Modellbahnausstellungen, wie das Miniatur-Wunderland oder das Loxx in Berlin nutzen größtenteils die aktuelle Epoche als Motiv.

 

Ist das verpflichtend?

Nein. Ob man die einzelnen Modellbahn Epochen streng einhält oder nach Lust und Laune mischt, sei jedem selbst überlassen. Es soll nur erwähnt sein, dass für viele Modelleisenbahner das Hobby auch die gründliche Recherche und Anerkennung des geschichtlichen Hintergrunds ausmacht. Die Unterteilung der Epochen ist nicht ganz unumstritten, da die Umbrüche teilweise nur von eher weniger sichtbaren Ereignissen wie der Umstellung von Wagennummern markiert werden. Außerdem ist das hier vorgestellte System auf Deutschland bezogen und nicht ohne weiteres auch auf andere Länder anwendbar. Trotzdem ist die Einteilung der Eisenbahnära in sechs Epochen ein gutes Hilfsmittel bei der Ausarbeitung der Idee für die eigene Anlage und muss ja auch nicht unbedingt einschränken.

Mehr Informationen zu den verschiedenen Modellbahn Epochen gibt es auch in der einschlägigen Literatur; Die interessantesten Bücher werden hier vorgestellt. Weitergehende Informationen zu den Epochen gibt es im Modellbau-WikiAllgemeine Tipps rund um die Planung einer Modellbahn gibt es hier, und hier gehts zum Modellbahn Bau.

 

Beitragsbild: Dampflokomotiven sind typische Merkmale der ersten drei Modellbahn Epochen. Quelle: Rene Schwietzke

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