10. Juli 2017 Max

Kinder und Modelleisenbahn – Interview mit Dominik Mahrer

Ein interessantes Thema bei Modelleisenbahnen um das es hier noch gar nicht ging sind Kinder. Dass die Modelleisenbahn als Spielzeug erfunden wurde, ist sicherlich kein Geheimnis. In gewisser Weise ist sie das auch heute noch, aber die das Hobby ist so komplex, dass es insbesondere auch Erwachsene in seinen Bann zieht. In der Praxis sind die meisten Modellbahner eher Erwachsene als Kinder und man hört oft, dass die Branche Sorge um den Nachwuchs hat.

Auf der anderen Seite gibt es auch ein breites Angebot an Einsteigerpackungen und gerade für Kinder viele Möglichkeiten, mit dem Hobby in Kontakt zu kommen. Und genau darum soll es hier gehen: Wie Kinder am besten mit der Modelleisenbahn in Berührung kommen. Da ich selbst keine Kinder habe, habe ich mir hier einen Experten zu Rate gezogen, nämlich Dominik Mahrer, genannt Teddy, von https://modellbahn.mahrer.net/. Er hat selbst Kinder und besitzt daher Erfahrungen aus erster Hand. Freundlicherweise hat er sich bereiterklärt, ein kleines Interview mit mir zu führen:

 

Guten Tag Teddy! Bitte stell Dich doch erstmal vor.

Hallo Max, Ich bin gelernter Elektroniker und habe anschliessend Informatik studiert. Lange habe ich in der reinen Softwareentwicklung gearbeitet, erst vor kurzem bin ich beruflich wieder etwas zurück zur Hardware gekommen, ich arbeite zurzeit als Firmwareentwickler. Auch bin ich zurzeit mit einem MAS Mikroelektronik ziemlich absorbiert.

Eisenbahnen haben mich schon immer fasziniert. Als Teenager hatte ich meine erste Märklin-Eisenbahn, zuerst in meinem Zimmer, später im Keller. Geplant wurde immer überdimensioniert, das geplante schlicht nicht erreichbar. Platzmangel,  Arbeit und auch das Interesse an der Informatik haben die Modellbahn in den Hintergrund gerückt, bis mir vor sieben Jahren meine Eltern die Überbleibsel der damaligen Modellbahn mitgebracht haben. Gerade die Kinder hatten natürlich ihre helle Freude an der Modelleisenbahn. Diese war zuerst im Wohnzimmer aufgestellt wurde aber bald in ein separates Zimmer verbannt. In eben diesem Zimmer baue ich nun an einer Modelleisenbahn, nach wie vor überdimensioniert. Vor allem interessiert mich die Technik. Die Landschaft, bzw. das Drumherum lässt zu wünschen übrig.

Was sind Deine Erfahrungen mit Kindern in Verbindung mit Deiner Modelleisenbahn?

Kinder finden Modellbahnen generell faszinierend. Die Schwierigkeit ist, dass Modelleisenbahnen etwas sehr feines und filigranes sind und eben kein Spielzeug. Kinder hingegen sind ungeduldig, zappelig und müssen alles mit den Fingern anschauen. Diese Diskrepanz ist zu überwinden. Das ist nicht immer ganz einfach aber möglich. Bei den eigenen Kindern ist es etwas einfacher sie an die Modellbahn heran zu führen, denn ich kenne ihre Fähigkeiten und Vorkenntnisse. Bei „fremden“ Kindern ist es immer etwas schwieriger, denn man muss sehr schnell abschätzen was geht und was nicht. Das ist nicht immer ganz einfach. Meistens sind jedoch die Eltern schlimmer als die Kinder…

Wie kann man Kinder für die eigene Anlage einbinden?

Man muss ihnen diese Aufgaben übertragen welche sie einerseits herausfordern, welche sie  andererseits aber auch meistern können. Wenn es etwas zu sägen gibt, dann muss man sie sägen lassen. Auch auf die Gefahr hin, dass der Schnitt schräg oder die Latte zu kurz ist. Auch Kabel abschneiden, abisolieren, Kabelschuhe montieren, Kabel in die Steckverbindung schrauben, Schrauben oder Nägel ins Holz rammen, es gibt viele Sachen bei denen die Kinder mithelfen können. Abmessen der richtigen Lage mit dem Meter, oder auch das Berechnen der korrekten Position sind wichtige Sachen die zu tun sind. Preiserleins in einen Zug setzten, bemalen eines Bahnsteiges oder kreieren eines Verkehrsschildes: alles Arbeiten die erledigt werden müssen. Und alles sind Arbeiten die je nach Alter wunderbar passen. Manchmal muss man später eine Kreation wieder entfernen oder ersetzen, aber im Moment haben die Kinder Freude daran und das ist das Wichtige. Was natürlich nicht fehlen darf und für die Kinder viel wichtiger ist als für mich: Die Kinder müssen auch mal einen Zug selber steuern können.

Ab welchem Alter ist das zu empfehlen?

Es gibt nicht ein Alter, ab wann Kinder mithelfen können. Man muss sich ihnen anpassen und ihnen das übertragen was sie in der Lage sind zu meistern. Am Anfang ist es egal, wenn es nur auf einem unfallsicheren Oval Runden drehen ist oder wenn ich einen zweiten Zug auf demselben Oval steure. Mit dem Alter wachsen dann auch die Ansprüche. Inzwischen müssen es bei meinen Jungs sechs Züge gleichzeitig sein: Jeder der Jungs einen und ich drei. Das klappt gerade noch so. Der nächste Schritt wird sein dass die Jungs je zwei Züge fahren oder einer der Jungs die Weichen im Bahnhof bedient.

Auch kommen im Laufe der Zeit immer mehr „erlaubte“ Werkzeuge hinzu. Waren am Anfang nur Meter, Bleistift und Schraubendreher Kinderwerkzeuge, so sind später Hammer, Handsäge und Seitenschneider hinzugekommen. Bohrmaschine und Stichsäge sind beim Ältesten inzwischen unter Aufsicht im Arsenal, Lötkolben, Kreissäge und Trennschleifer kommen später hinzu. Man muss sich an die Kinder anpassen, nicht nur an das Alter, es ist auch jedes Kind anders.

Wie verhält man sich, wenn mal was schiefgeht?

Ruhig bleiben. Wenn etwas schief geht heißt das nicht, dass sie auch einen Fehler gemacht haben. Abgesehen davon geht auch bei den Erwachsenen zwischendurch mal was schief. Wenn etwas schiefgeht, dann liegt das meistens daran, dass ich etwas nicht oder nicht gut erklärt habe. Sobald die Kinder begriffen haben, dass „nicht anfassen“ auch wirklich „nicht anfassen“ bedeutet und sich daran halten funktioniert das auch mit anderen Verboten und Geboten. Jeder meiner Jungs hat einmal ausprobiert was es heißt nicht zu gehorchen. Dann standen sie draußen, und zwar sofort. Ein zweites Mal mussten sie das nie ausprobieren.

Alles in allem geht fast nie etwas schief, zumindest nicht mit nachhaltigen Schäden. Die Kinder lernen sehr viel dabei und da darf auch mal was schiefgehen.

Sollten Kinder ihre eigene Anlage haben oder an der Anlage vom Papa mitarbeiten?

Eine Modelleisenbahn kann man den Kindern nicht einfach so geben und gut ist. Eine Anlage muss gebaut werden. Meine Jungs haben eigene Gleise und ein paar Weichen, welche sie im Wohnzimmer aufstellen können, aber auch wieder abräumen müssen. In 30 Minuten haben sie ihre Anlage aufgestellt. Jedes Mal anders und nach ihren Vorstellungen. Das hält das Modellbahnfieber auch aufrecht, wenn meine Anlage mal „im Bau“ ist und eben nicht fährt. Auch ist es bei „ihrem“ Rollmaterial nicht so tragisch, wenn ein Zug mal aus den Gleisen springt, fehlende Stromabnehmer fehlen halt und abgebrochene Trittbretter fallen schon gar nicht erst auf.

Gleichzeitig ist es aber auch enorm wichtig, dass sie an der großen Anlage mit bauen dürfen. Viele Papierhäuser sind von den Jungs. Und auch die abgesägten Latten und verschraubten Platten sind wichtig. Auch wenn die „Hilfe“ der Jungs manchmal sehr zeitaufwändig und für den Baufortschritt nur störend ist, der Lerneffekt und der Stolz dem Papa geholfen zu haben ist enorm wichtig.

Mit welchen Systemen/Produkten steigen Kinder am besten ein?

Trittsichere Gleise mit Mittelleiter sind für die Kinder ein Segen. Es geht nicht gleich kaputt und man kann beliebig Kehrschleifen bauen ohne sich mit Strom-Themen auseinandersetzen zu müssen. Weiter ist digital Fahren mit automatischer Lokanmeldung (mfx oder Railcom) und von Hand schalten das Einfachste in der Handhabung: Zug drauf und spielen.

Spätestens wenn der Nachwuchs ins Teenager-Alter kommt kann man mfx und Railcom getrost weglassen, sie begreifen schnell was eine Adresse ist und dass das Protokoll in der Zentrale und Lok übereinstimmen muss. Und dann geht es nicht mehr lange und der Nachwuchs bringt dem Papa bei wie das geht mit der modernen Technik…

Das Teenager-Alter bringt auch die Möglichkeit vom C-Gleis weg zu einem etwas vorbildgerechteren Gleis ohne Bettung und eventuell ohne Mittelleiter zu wechseln. Wenn sich nur in der Zwischenzeit nicht schon Unmengen an Roll- und Gleismaterial angesammelt hätte…

Analogtechnik ist in der Welt der Jungen schlicht nicht präsent, weder bei der Modellbahn und schon gar nicht sonst im Leben. Analog wird schlicht nur als überholter Ballast wahrgenommen: Extrem umständlich und mit sehr vielen Einschränkungen und Nichtlinearitäten versehen. Kurz zusammengefasst: Unbrauchbar. Das ist explizit die Sicht der Jungen, wer im Analogzeitalter aufgewachsen ist sieht das naturgemäß etwas anders.

 

Danke für das Interview und weiterhin viel Spaß mit Deiner Modelleisenbahn und Deiner Familie!

 

 

 

 

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