15. April 2017 Max

Modellbahn Brücken und Tunnelportale H0 – Modellbahn Bau, Teil VII

Brücken wie diese sind für die Alpen charakteristisch.
Brücke H0, Tunnelportal H0, Modelleisenbahn Brücken

Anzeige: „Brücken, Mauern und Portale“ ist das Standardwerk zu solchen Bahnbauten und sei jedem Interessierten wärmstens empfohlen.

Brücken und Tunnel gehören zu den charakteristischsten Elementen einer Eisenbahnstrecke und so ist das auch im Modell. Beides muss man schon in der Gleisplanung und beim Unterbau der Anlage berücksichtigen, denn sie sind abhängig von Landschaftselementen wie Bergen, Schluchten und Flüsse. Modelleisenbahn Brücken und Tunnel sollten nicht unmotiviert in der Gegend stehen, denn sonst sieht das recht komisch aus. Doch gut geplant werden sie zu Wahrzeichen der eigenen Anlage. Dieser Beitrag soll helfen, die perfekte H0 Brücke und das ideale Tunnelportal H0 zu finden.

Es gibt hier viele Möglichkeiten bei der Gestaltung und man kann sowohl Bausätze erwerben, als auch Eigenbau betreiben. Um beides soll es im Folgenden gehen. In diesem Zusammenhang sei das Buch „Brücken, Mauern und Portale“ von Klaus Eckert genannt, das eine Menge an weiterführenden Informationen und Tipps enthält.

Modellbahn Brücken

Man muss kein ausgesprochener Bahnkenner sein um beim Thema Eisenbahnbrücken direkt ein paar Bilder vor Augen zu haben. Die gigantischen Steinbrücken der Gotthardbahn, der Landwasser-Viadukt in Graubünden und zahlreiche namenlose Stahlkonstruktionen, nur um einen Anfang zu machen. Eines vorneweg: Brücken sind tolle Bauwerke, um sowohl die eigenen Modellbaukünste zu demonstrieren als auch die Züge der Anlage in exponierter Lage zu präsentieren. Dabei ist es aber weder erstrebenswert, überdimensionale Brücken zum Zentrum einer kleinen Anlage zu machen, noch sieht es gut aus, wenn man Brücken und Tunnel „erzwingt“, also nur durch seltsame Streckenführung nötig macht. Es sind Gestaltungselemente, die im Vorbild nur dort gebaut werden, wo sie nötig sind, denn Brücken und Tunnel kosten Unmengen an Geld. Im Modell ist das zwar nicht so, aber trotzdem geht es ja immer noch darum, das Vorbild abzubilden. Bei der Planung sollte sich also eine insgesamt stimmige Landschaft ergeben und wenn diese dann die eine oder andere H0 Brücke enthält, umso besser. Doch nun zum Thema:

Brückentypen

Modellbahn Brücken, H0 Brücke

Anzeige: Typische Viaduktbrücke, hier ein einspuriges Exemplar von Faller.

Grundsätzlich kann man zwischen Brücken aus Stein und solchen aus Metall unterscheiden. Die Essenz einer Brücke ist die Verteilung des Gewichts (Eigengewicht plus Zug) auf den Untergrund bei erschwerten Bedingungen, beispielsweise wenn ein Tal, ein Fluss oder ein anderer Verkehrsweg überquert werden soll. Das kann entweder durch eine Bogenkonstruktion aus Stein geschehen, wie es schon die alten Römer mit ihren Aquädukten taten. Das ist aber sehr materialaufwendig, denn die Brücke braucht dadurch viele Stützen und das ist bei Flüssen nicht immer gewünscht, da es die Schifffahrt erschwert. Eine eher modernere Alternative sind dagegen Stahlbrücken, die die Gewichtsverteilung teilweise auch durch Bogenkonstruktionen effizienter bewerkstelligen und so weniger Stützen brauchen. Noch viel moderner sind Brücken aus Spannbeton, wie sie für Hochgeschwindigkeitsstrecken eingesetzt werden. Verglichen mit den früheren Konstruktionen sind sie aber lange nicht so dekorativ und daher nur etwas für Enthusiasten der Epoche V.

Fußgängerbrücke H0, Modelleisenbahn Brücken

Anzeige: Dieses Modell einer Fußgängerbrücke von Faller ist auf der Anlage vielseitig einsetzbar.

Für Straßenbrücken gelten diese Ausführungen grundsätzlich auch, auch wenn es hier noch ganz andere Exemplare gibt (Stichwort Golden-Gate-Bridge). Für die Modelleisenbahn wird der Fokus aber ohnehin nicht auf der Straße liegen, daher soll es hier hauptsächlich um Eisenbahnbrücken gehen. Durchaus interessant können aber auch Fußgängerbrücken für die Querung der Gleistrasse sein. Auch dafür gibt es einige sehr schöne Modelle zu kaufen.

Die ideale H0 Brücke

Modelleisenbahn brücke, Faller Brücken

Anzeige: Modell einer Stahlträgerbrücke von Faller.

Wenn man die Angebote der einschlägigen Online-Händer durchsieht, findet man schon einige Brückenmodelle geboten. Das Sortiment von Amazon ist recht schmal, aber beispielsweise bei Conrad findet man doch ein ziemlich großes Angebot. Hersteller von diesem Modellen sind Faller, Noch, Märklin und Busch um nur einige zu nennen. Bei den Materialien kristallisiert sich seit einigen Jahren Karton heraus, aus dem mittels Laser-Cut-Technik die Bauteile der H0 Brücke hergestellt werden, die man dann nur noch selbst zusammenbauen muss. Hier hat beispielsweise Noch ein interessantes Sortiment.

Faller Brücken, Brücke H0

Anzeige: Modell einer Stahlträgerbrücke von Märklin.

Bei einer gekauften H0 Brücke kann man eigentlich nichts falsch machen. Man bekommt sie als fertiges Stück oder einfachen Bausatz mit beiliegender Anleitung geliefert. Zubehör wie Auffahrten und zusätzliche modulare Stützpfeiler sind ebenfalls erhältlich. Preislich gehen die meisten Modelle auch völlig in Ordnung, sie sind überwiegend in hochwertiger und detaillierter Form ausgeführt. Das einzige Problem an vorgefertigten Brückenmodellen ist lediglich das Einpassen in die eigene Anlage. Vor allem wenn man eine recht große Brücke plant, insbesondere zweigleisig, ist es durchaus möglich, dass sich kein Exemplar findet, das von der Größe her passt und gleichzeitig die eigenen Vorstellungen erfüllt. Hier ist man dann auf Eigenbau angewiesen. Mit einem vernünftigen Aufwand lassen sich aber nur Steinbrücken und Viadukte selbst bauen, bei Stahlträgerbrücken greift man besser auf die Bausätze zurück.

H0 Brücke selbst bauen

Der Eigenbau einer H0 Brücke (und genauso gut einer Spur N Brücke) ist gar keine so große Angelegenheit, solange man ein paar Grundkenntnisse im Umgang mit den entsprechenden Materialien hat (also in erster Linie Holz). Aber wie bereits erwähnt, verkompliziert sich die Sache bei der detailgetreuen Nachbildung von Stahlkonstruktionen immens; daran sollte man sich nur wagen, wenn man schon Erfahrung bei der Arbeit mit Metall hat. Im Folgenden gibt es eine kurze Anleitung, mit der man Viadukte, also imposante Steinbrücken konstruieren kann:

Rohbau aus Sperrholz

Der erste Schritt ist wie immer beim Modellbau die Studie des Vorbilds. In vielen Fällen wird man eine existierende Brücke nachbauen wollen oder hat zumindest ein Vorbild, dem man folgen will. Man muss hier nicht die exakten Maße kennen, aber ein ungefähres Bild der Proportionen hilft beim Entwurf der eigenen Modellbahn Brücke enorm. Im Fall einer Steinbrücke bietet es sich an, sie aus Holzspanten zu bauen, für die man jetzt die genauen Ausmessungen festlegen muss. Dabei ist darauf zu achten, die spätere Styrodor-Schicht außen bereits einzurechnen. Mit den gleichen Techniken wie beim Unterbau folgt nun die Konstuktion des Rohbaus: Die Spanten werden mit einer Stichsäge ausgeschnitten und mit Leim und Schrauben zusammengebaut. Dabei sollte ein verwindungsfreies Gerüst entstehen, das nach außen bereits die gewünschte Form hat.

Heki-Mauerwerksplatte, Modelleisenbahn Brücken, Faller Brücken

Anzeige: Mit Mauerwerk wie diesem von Heki kann die Fassade der H0 Brücke modelliert werden.

Ausgestaltung mit Mauerwerk

Darauf kann man jetzt bereits die normalen Sperrholzstreifen für die Trasse anbringen, um die Unterlage für die Schienen vorzubereiten. Außerdem wird die Oberfläche der Brücke gestaltet, die ja in der Realität das Mauerwerk sein wird. Hierfür eignen sich Modellbauplatten von Heki, die bereits eine Quaderstruktur haben, siehe rechts. Diese müssen nur in die passende Form zurechtgeschnitten und aufgeklebt werden. Wer damit nicht zufrieden ist, kann die Mauer auch mit etwas Aufwand selbst ausgestalten. Dafür benötigt man etwas Gips, der in 2-3 mm Dicke auf den ganzen Rohbau aufgetragen wird. Damit das besser hält, kann man das Holz zuvor mit Fliegengitter bekleben. Sobald der Gips durchgetrocknet ist, kann man die gewünschte Mauerstruktur zunächst mit Bleistift vorzeichnen und danach mit einem Spatel einritzen. Danach kann mit der Einfärbung begonnen werden, wobei das durch die filigrane Mauerstruktur ebenfalls etwas Geduld erfordert. Auf diese Weise kann man aber sehr ansehnliche Modelleisenbahn Brücken erhalten.

Die fertige Brücke muss dann nur noch in die Landschaft eingepasst werden. Dazu gehört natürlich das Verlegen und Einschottern der Gleise genauso wie die Gestaltung der umgebenden Vegetation. Vor allem bei alten Steinbrücken findet sich das eine oder andere Grün im Gemäuer, warum also nicht auch auf der Modellbahnanlage? Noch viel detailliertere Tipps und Informationen rund um den Eigenbau von Eisenbahnbrücken gibt es im bereits erwähnten Buch „Brücken, Mauern und Portale“ von Klaus Eckert.

Modellbahn Tunnel

Modellbahn Tunnel, Tunnelportal H0

Anzeige: Zweigleisiges, sehr preiswertes Tunnelportal H0 von Noch.

Errichtet man die Anlage in offener Rahmenbauweise, sind Tunnel keine großen Herausforderungen, denn sie verschwinden ja automatisch unter der Landschaft. Das einzige charakteristische Merkmal von Tunneln, und damit ihr interessanter Aspekt auf der Anlage, sind die Portale. Das richtige Tunnelportal verleiht einer Bahnstrecke Charakter, genauso wie eine imposante Brücke. Und auch wenn die Unterschiede auf den ersten Blick nicht ganz so markant sind wie bei den Brücken, gibt es auch bei Tunnelportalen viele verschiedene Varianten und Gestaltungsmöglichkeiten.

Verschiedene Formen von Tunnelportalen

Portal für Tunnel auf Modellbahnanlagen.

Anzeige: Bei diesem eingleisigen Tunnelportal H0 von Faller ist die Felswand gleich dabei.

Wie auch bei den Brücken gibt es pompös anmutende Tunnelportale, aber auch sehr schlichte. Besonders die Portale moderner ICE-Strecken sind völlig schmucklos und glatt, aber das war nicht immer so. Bei den Eisenbahnstrecken entlang des Rheins sind viele Portale sogar mit kleinen Zinnen und Türmchen dekoriert, um den Stellenwert der Strecke zu markieren. Solche Verzierungen sind natürlich für die kleine Nebenbahn unangebracht und das sollte man bei der Planung auch immer bedenken. Ausladende Portale müssen aber nicht nur dekorative Zwecke haben – sie können auch als Schutz vor losem Geröll dienen.

Wer etwas Abwechslung auf der eigenen Anlage möchte, kann ein altgedientes Portal auch schon mal durch ein neues auswechseln. Während bei vielen Bestandteilen der Anlage eine Umgestaltung recht aufwendig ist, ist der Austausch eines Portals schnell erledigt. Damit lassen sich neue Akzente setzen und so können auch ältere Anlagen profitieren.

Tunnelportal H0 kaufen oder selbst bauen

Portal für Modellbahn Tunnel, Tunnelportal H0

Anzeige: Hochwertiges, eingleisiges Tunnelportal H0 von Auhagen.

Hier gilt grundsätzlich das bei den Brücken gesagte: Es sind fertige H0 Tunnelportale von den einschlägigen Herstellern erhätlich, bei Amazon und auch bei Conrad. Diese sind durchgehend zu empfehlen, können aber sicher nicht alle Ansprüche erfüllen. Besonders wenn es um konkrete Vorbilder geht, muss man wieder im Selbstbau tätig werden; Dieser ist aber deutlich einfacher als bei Brücken. Denn hier konstruiert man schließlich keine tragenden Strukturen, sondern nur Zierelemente. Das Portal kann zunächst als Sperrholz-Gerüst gebaut werden, das anschließend mit fertiger Mauerplatte oder Gips ausgestaltet wird. Bei der Begrünung bietet es sich umso mehr an, mit der Vegetation ein wenig zu spielen. Die Steinmauern kann man beispielsweise mit Efeu dekorieren, was man auch im Vorbild oft sieht. Wie gut ein bewachsenes Portal aussehen kann, zeigt das rechte Bild vom Auhagen-Exemplar.

Tunnelportale und Brücken können einer Modelleisenbahn Charme verleihen, wenn sie richtig eingesetzt werden. Sie sollten dabei immer mit der Landschaft zusammenpassen und sich nie in den Vordergrund drängen. Wenn man nach mehr Eindrücken und Inspiration für die eigene Anlage sucht, kann ich nur eine Bahnfahrt entlang des Rheins in der Gegend von Koblenz empfehlen, sowie natürlich in den Bergen, besonders den Schweizer Alpen.

 

Beitragsbild: Schön modellierte Eisenbahnbrücke auf der Appenfluherbahn. Quelle: www.appenfluhertal.com mit freundlicher Genehmigung von Helmut Langenbrunner.

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